Kurviger geht’s nicht mehr – die Berge nördlich von Hanoi

Veröffentlicht von

Ich habe schon immer davon geträumt mit dem Motorrad durch Vietnam zu fahren. Vietnam ist wie für das Motorradfahren und Endurowandern geschaffen. Ein atemberaubender Ausblick nach dem Anderen, wunderschöne Reisterrassen, Kurven ohne Ende und unzählige unbefestigte Wege. Wir sind in 10 Tagen etwa 1700 km durch die wunderschöne Bergwelt nördlich von Hanoi gefahren. Über die Hälfte der Strecke verlief dabei auf kleinsten Gebirgsstraßen und unbefestigten Wegen.

Die erste Frage vor der Reise war für mich ob ich die Tour selbst plane oder auf eine geführte Tour gehe. Als Autor von Kurviger.de spricht für mich natürlich viel für selbst planen. Nachdem ich mich etwas genauer mit dem Thema auseinander gesetzt habe ist jedoch klar, dass man eine Off-Road Tour in Vietnam nur schwer selbst planen kann. Die meisten unbefestigten Straßen sind auf keiner Karte verzeichnet. Schilder gibt es schon gar nicht. Während meiner Recherche bin ich auf mehrere Anbieter gestoßen, die Off-Road Touren in Vietnam anbieten. Nachdem ich mit mehreren Anbietern Kontakt aufgenommen habe und deren Angebot und Bewertungen verglichen habe, habe ich mich am Ende für Mototours Asia entschieden.

Ich durfte mich einer Gruppe von 12 Australiern anschließen, die eine 10 Tagestour im Mai 2017, mit Mototours Asia geplant haben. Jede Tour ist individuell an die Bedürfnisse der Gruppe angepasst. Meine Gruppe war auf Off-Road und Abenteuer aus, perfekt! Genau danach habe ich auch gesucht.

Bergpass in Vietnam

Vietnam und Hanoi

Der Flug von Frankfurt nach Hanoi dauert etwa 11 Stunden, falls man einen Non-Stop Flug findet. Ansonsten dauert der Flug entsprechend länger. Flüge vergleichen kannst du z.B. hier. Die Zeitverschiebung ist +5 Stunden zu Deutschland. Auf Grund des Jetlags empfiehlt es sich ein paar Tage vorher anzureisen. So hat man auch noch genug Zeit sich etwas an das Land und die fremde Kultur zu gewöhnen.

Vietnam eignet sich perfekt um dem deutschen Winter zu entfliehen, da das Wetter im Winter sehr gut für eine Motorradtour geeignet ist. Die beste Reisezeit für einen Motorrad-Tour durch Vietnam ist September bis November. Die Zeit von Dezember bis April ist noch gut geeignet. Mai bis August ist nicht ganz ideal, da der Sommer in Vietnam sehr heiß und feucht ist, gerade in der Regenzeit sind die meisten Off-Road Straßen nur schwer oder gar nicht zu befahren.

Vietnam, Eindrücke und Stimmung

Vietnam und Hanoi ist auf jeden Fall einen Besuch wert, mit oder ohne Motorradtour. Zusätzlich zur Motorradtour empfehle ich mindestens eine Woche für einen regulären Urlaub einzuplanen. Falls man noch nie in Südostasien warst, dann sollte man sich auf jeden Fall auf einen kleinen Kulturschock gefasst machen. Hanoi ist die Hauptstadt und zweitgrößte Stadt Vietnams. Mit etwa 8 Millionen Einwohner ist Hanoi nicht gerade als Kleinstadt zu bezeichnen. Der Verkehr in Hanoi ist verrückt und wirkt im ersten Moment sehr Chaotisch. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist der Aufenthalt in Hanoi aber sehr schön, mit seinen vielen kleinen verwinkelten Gassen, tollen Kaffees und einer der besten Küchen der Welt. Seit meiner Vietnam Reise bin ich angefixt auf vietnamesisches Essen und bin immer auf der Suche nach „phở bò“ (Nudelsuppe mit Rindfleisch) und „ɓǔn ca᷉“ (gegrilltes Schweinefleisch mit einer süßen Suppe und Reisnudeln).

Reisetipps für Vietnam

Vietnam bzw. Südostasien im Allgemeinen kann man nicht mit einem westlichen Land vergleichen. Man sollte sich vor der Reise auf jeden Fall informieren und entsprechend vorbereiten. Der Handyempfang in Vietnam ist übrigens phenomenal, der Anbieter „Viettel“ wird von der Regierung betrieben und bietet fast überall 4G, selbst in den entlegensten Teilen Vietnams.

Visum und Dokumente

Mit einem deutschen Reisepass darf man sich bis zu 15 Tage ohne Visum in Vietnam aufhalten, für einen längeren Aufenthalt wird ein Visum benötigt. Mototours Asia hat das Visum für mich organisiert, sowie den Flughafentransfer und eine Unterkunft.

Besorgt euch rechtzeitig einen internationalen Führerschein. Das geht einfach und günstig beim Landratsamt, denkt dran euren Führerschein und Passbild mitzubringen.

Sicherheit

Bevor man nach Vietnam reist, sollte man auf jeden Fall die üblichen Reisewarnungen prüfen, z.B. des Auswärtigen Amts. Im Allgemeinen habe ich mich aber recht sicher in Vietnam gefühlt und auch von anderen Reisenden von keinen größeren Problemen wie z.B. Diebstählen etc. gehört. Die übliche Kleinkriminalität gibt es natürlich überall.

Gesundheit

Ein Besuch bei einem Arzt, am besten einem Spezialisten für Reisemedizin würde ich vor der Reise empfehlen. Man sollte unbedingt prüfen ob Impfungen aufgefrischt werden müssen bzw. neue Impfungen für das Reiseland empfohlen werden. Der Impfkalender des Robert Koch Instituts bietet zusätzlich einen Überblick über empfohlene Impfungen.

Eine Auslandskrankenversicherung, inklusive Krankenrücktransport, sollte unbedingt abgeschlossen werden. Die medizinische Versorgung in Vietnam habe ich persönlich als überraschend gut und günstig empfunden. Ernsthafte Verletzungen/Krankheiten würde ich aber lieber Zuhause behandeln lassen, dafür ist der Krankenrücktransport essentiell.

Viele Krankheiten werden von Stechmücken übertragen. Denkt daher an einen guten Mückenschutz, meiner ist vor Ort ausgegangen und es war schwierig einen neuen zu besorgen.

Geld

Die Vietnamesische Währung heißt „Dong“. Aktuell entspricht 1€ ca. 25.000 Dong. Die meisten Händler akzeptieren zusätzlich US-Dollar, doch meist zu einem schlechten Wechselkurs. Auf meinen Reisen hole ich Geld immer direkt vor Ort mit meiner Visa-Karte an einem Visa-Automaten in einer offiziellen Bankfiliale. Ich tausche kein Geld in irgendwelchen Wechselstuben. Eine Kreditkarte mit geringen Gebühren für den Auslandswährungseinsatz und gutem Wechselkurs ist dabei empfehlenswert. Ich habe ein Konto bei der ING und bin damit absolut zufrieden auch bei Zahlungen im Ausland gab es nie Probleme. Ich versuche das Geld bis zum Rückflug wieder auszugeben, meist nehme ich einen kleinen Schein als Erinnerung an die Reise mit nach Hause und nutze den Schein als Lesezeichen.

Märkte

In Vietnam gibt es viele Märkte an denen verschiedene Produkte angeboten werden. Als Schwabe war ich natürlich auf der Suche nach dem ein oder anderen Schnäppchen in Vietnam. Meine Idee war, da ja viele Kleidungshersteller in Vietnam fertigen lassen, muss es diese Kleidung doch auch günstig vor Ort zu kaufen geben. Hochwertige Ware auf westlichem Niveau zu günstigen Preisen zu finden kann man eigentlich fast vergessen. Die Straßenmärkte verkaufen billige gefälschte Produkte. Mototours Asia hat mich zu einem Laden (kein Straßenstand) gebracht die wohl Orginalware verkaufen. Die Preise waren aber fast auf deutschem Niveau. Die Qualität war aber vollkommen OK, habe damals eine Jeans gekauft die mir bis heute gute Dienste leistet.

Reiseführer

Vietnam ist ein tolles Land. Man sollte sich zwar vorbereiten, aber lasst euch nicht verrückt machen. Ein guter Reiseführer wie z.B. der Lonely Planet oder der Stefan Loose Reiseführer können zusätzlich bei der Vorbereitung der Reise helfen und man kann sich so richtig auf das Abenteuer einstimmen.

Die Berge nördlich von Hanoi

Kennenlernen der Gruppe

Am Tag vor der Tour konnte ich die Gruppe kennen lernen. Bei der ersten gemeinsamen Kaltweizenschale wurde schnell klar, das ist eine super Truppe. Die Gruppe ist zum dritten mal mit Mototours Asia unterwegs und trifft sich alle zwei Jahre für eine Motorradtour in Südostasien.

Am Morgen des Tourstarts werden wir gemeinsam zur Garage gefahren, diese ist etwas außerhalb, damit man nicht durch den verrückten Stadtverkehr von Hanoi fahren muss. Wir hatten für die Tour hauptsächlich 250er Hondas (CRF) aber auch eine Kawasaki 250 KLX. Motortours Asia biete auch Touren mit größeren Motorrädern wie z.B. mit BMW 1200 GS bzw. 800 GS an. Jede Gruppe wird von mindestens einem Tourguide und einem Mechaniker begleitet. Der Mechaniker konnte alle Probleme während der Tour schnell lösen. Bei 13 Motorrädern und 1700 km, viel auf unbefestigten Straßen, kommt es ab und zu, zu kleineren technischen Problemen, wir hatten jedoch kein ernsthaftes Problem.

Los Gehts in Richtung Ba Be See

Noch das Gepäck auf dem Motorrad befestigt und nichts wie los. Ich hatte das Glück, dass die Gruppe sich für ein Begleitfahrzeug entschieden hat, dadurch konnten wir alles schwere Gepäck im Van verstauen und mussten nur unser Gepäck für den Tag mitnehmen. Am ersten Tag sind wir auf kleinen Sträßchen aus dem Stadtgebiet von Hanoi und in die Gebiergsregion im Norden Vietnams gefahren. Trotz geringem Verkehrsaufkommen sind die ersten Meter auf vietnamesischen Straßen gar nicht so einfach. Es gibt quasi keine Verkehrsregeln, im Zweifelsfall gewinnt der Stärkere. Aber die Vietnamesen gehen mit einer ganz anderen Mentalität an das Fahren, die meisten fahren recht entspannt und versuchen die anderen Verkehrsteilnehmer nicht umzufahren, so funktioniert der Verkehr irgendwie doch. Insbesondere auf größeren Straßen eine defensive Fahrweiße und eine saubere Linie aber unabdingbar. Man sollte zu jeder Zeit, auch in der Kurve in Sichtweite bremsen können.

Ab der zweiten Tageshälfte werden wir dann mit den ersten Gebiergspässen und den ersten Metern Schotter belohnt. Wir arbeiten uns langsam aber sicher zu unserem Tagesziel vor, dem Ba Be See. Ich komme mir vor wie in einer National Geographics Dokumentation und kann die Schönheit des Landes noch gar nicht so richtig fassen. Am ersten Tag sind wir 220 km gefahren, dafür haben wir inklusive kleinerer Pausen 8 Stunden gebraucht. Wir verbringen die erste Nacht bei einer Gastfamilie (ein so genannter „Home Stay“, man ist also bei einer Familie zuhause und nicht in einem Hotel) und wurden mit einem gigantischen Balkon, kaltem Bier und fantastischem Essen begrüßt. Das Haus bietet einen wundervollen Ausblick über die Reisfelder, den Ba Be See und den Ba Be Nationalpark.

Homestays, zu Gast bei Freunden

Vietnam ist ein armes Land. Gerade abseits der großen Städte haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder sanitären Anlagen. Man kann sich das als Europäer nur schwer vorstellen. Mir hat der Besuch in Vietnam in dieser Hinsicht die Augen geöffnet. Die Übernachtungen bei diversen Gastfamilien war immer super, man sitzt Abends zusammen und kann sich mit der Gastfamilie unterhalten und erhält einen Einblick in deren Leben. Die meisten Unterkünfte der Gastfamilien bei denen wir geschlafen haben wurden von Mototours Asia (mit) aufgebaut und bietet einen guten Weg die Menschen in den Bergen zu unterstützen, da durch die Gastfamilien Touristen in die Berggegend kommen. Geschlafen wird wie bei den Gastfamilien üblich, in einem Matratzenlager mit Mosquito Netzen über jedem Bett.

Seit diesem Trip versuche ich übrigens Menschen in Entwicklungsländern mit Mikrokrediten unter Anderem im Bereich „water and sanitation“ sowie „education“ auf Kiva zu unterstützen. Bei Mikrokrediten leiht man kleine Summen Geld an Menschen in Entwicklungsländern um ein Ziel zu erreichen, z.B. ein Klo zu bauen oder einen Brunnen für sauberes Trinkwasser zu graben. Das Geld wird dann über eine gewisse Zeit zurückgezahlt und man kann das Geld an jemanden anderen verleihen. Ich persönlich glaube an die Wirksamkeit von Mikrokrediten. Mikrokredite bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Im Jahr 2006 gab es für eine Mikrokredit Bank übrigens den Friedensnobelpreis.

In Vietnam leben Menschen mit unterschiedlicher ethnischer Abstammung. Die verschiedenen Völker unterscheiden sich zum Teil stark in ihren Tradition, Kleidung, Sprache und den traditionellen Gerichten. Unsere erste Familie gehört dem Volk der Tay an. In Vietnam gehören etwa 90% der Menschen dem Volk der Kinh an, die anderen Völker gehören zu ethnischen Minderheiten. Auf unserer Reise durch die Berge, werden wir Menschen die den Tay, Thai, H‘Mong, La Chi, Lo Lo, Nung und Dao angehören treffen.

Überquerung des Ba Be Sees

Am nächsten Morgen geht es Früh raus, wir überqueren den Ba Be See mit mehreren kleine Booten. Wir Frühstücken auf dem Boot, es gibt Vietnamesische Pfannkuchen mit Bananen und Honig, der Berghonig ist ein Traum und lässt sich nicht mit unserem Honig vergleichen. Die Boote schiffen uns und unsere Motorräder über den See und entlang des angrenzenden Flusses zu einer abgelegenen Straße in den Bergen. Von dort beginnt der erste längere Off-Road Part.

Alles beginnt ganz unscheinbar, der Belag wird langsam schlechter und irgendwann kann man nicht mehr von Straßenbelag sprechen. Wir schlängeln uns langsam den Berg entlang. Nach einer Stunde biegen wir auf einen kleinen Ziegenpfad ab. Diesem folgen wir für etwa zwei Stunden. Das war das erste kniffligere Stück. Stellenweise mussten wir uns gegenseitig den Berg hoch helfen und es gab den ersten Umfaller. Der Aufstieg hat sich aber gelohnt, wir Vespern an einem Aussichtspunkt über ein Tal voller Reisfelder und fahren im Anschluss noch ein paar Stunden auf kleinen unbefestigten Pfaden durch die Berge. Die Weite dieses Landes ist unglaublich, wir fahren teilweise Stundenlang ohne durch eine Siedlung zu kommen.

Die Nacht verbringen wir erneut bei einer Gastfamilie. Das Essen in dieser Nacht wird uns allen lange in Erinnerung bleiben, die Familie tischt uns ein richtiges Festmahl auf. Gegessen wird in Vietnam traditionell auf einem Teppich auf dem Boden, wobei jeder eine kleine Schale bekommt und in der Mitte befinden sich die verschiedenen Speisen. Die Gastfamillie gehört zum Volk der Tay. Das Haus der Gastfamilie befindet sich am Rande eine Reisfelds, in einem idyllischen Tal das von besten Motorradstrassen umgeben ist.

In Richtung chinesische Grenze

Der dritte Tag startet direkt mit einer phänomenalen Aussicht und tollen Off-Road Straßen los. Wir schlängeln uns langsam entlang kleiner Wege durch die Berge und erklimmen von einem Tal mit einem kleinen Fluss den ersten Berg und werden mit einer der besten Aussichten der ganzen Tour belohnt. Weiter geht in ein Bergdorf in dem Angehörige des H‘Mong Volks leben. Hier bekommen wir ein leckeres Mittagessen und können uns im Schatten von der Hitze erholen. Bei über 35° und vergleichsweise langsamen Geschwindigkeiten im Offroadbereich, war der Schatten eine richtige Wohltat.

Im weiteren Verlauf geht es über eine baufällig wirkende Holzbrücke, wie man sie üblicherweise aus einem Film kennt. Jeder Holzbalken sieht so aus als würde er gleich nachgeben und wir mitsamt Motorrad im Fluss darunter landen. Irgendwie hat die Brücke uns dann aber doch alle ausgehalten.

Bisher haben wir unsere Motorräder immer an gewöhnlichen Tankstellen betankt, doch heute liegt keine Tankstelle auf de Weg, doch die Strecke ist zu lang um ohne einen Tankstopp auszukommen, daher tanken wir an einer „Dorftankstellen“, wobei das Wort Tankstelle nicht so richtig passt. Ein Straßenstand, an dem alles mögliche angeboten wird, unter anderem auch Plastikflaschen, gefüllt mit Treibstoff. Während der Betankung witzeln wir noch darüber was sich wohl in den Flaschen so alles befindet. Etwa eine halbe Stunde später hatten wir dann auch die erste Panne. Tao unser Mechaniker konnte das Problem aber innerhalb weniger Minuten lösen, der Grund: „Wasser im Vergaser“. Wie das wohl da reingekommen ist? Zwei wassergefüllte Vergaser später kommen wir dann an unserem Tagesziel an.

Wir übernachten in einem schönen Hotel, nahe der chinesischen Grenze. Hier merkt man aber direkt, dass die Uhren anders ticken. Nach der Ankunft im Hotel werden unsere Pässe eingezogen um ein „Spezialvisa“ für den Grenznahen Aufenthalt zu beantragen. Dieses wird benötigt wenn man sich im Grenzbereich zu China aufhält und muss bei der chinesischen Botschaft vor Ort beantragt werden. Kurze Zeit später erhalten wir unsere Pässe inklusive Visa zurück und können uns beruhigt um unser Abendprogramm kümmern.

Am Abhang entlang

Der Tag beginnt mit kleinen kurvigen Gebirgspässen. In Europa wären diese Straßen das absolute Motorrad-Paradies und überlaufen mit kurvenhungrigen Bikern, in Vietnam fahren wir eine gefühlte Ewigkeit ohne auch nur ein anderes Fahrzeug zu treffen. Wir schlängeln uns entlang traumhafter Kurven und Ausblicke bis es auf einmal auf einen kleinen Pfad abgeht.

Unser Guide warnt uns vor, dass es sich bei dem kommenden Stück um ein sehr anspruchsvolles Stück handelt und jeder hat die Wahl entweder über die Straße zu fahren oder den schmalen Pfad. Der Pfad führt direkt an einem 400 Meter hohen Abhang entlang. Bei bester Aussicht und höchster Konzentration schlängeln wir uns entlang des Pfades und versuchen nicht den Abhang hinab zu schauen. Nachdem wir dieses Hindernis gemeistert haben, machen wir erstmal Rast und kommen zur Ruhe, bevor es weiter geht.

Der Gecko-Rücken

Uns steht ein harter Off-Road Tag bevor. Nach dem Frühstück treffen wir den Mechaniker der zum ersten Mal ein Seil auf sein Motorrad schnallt. Damit würde er auf dem kommenden Stück feststeckende Motorräder den Berg hochzuschleppen erklärt er uns in seiner gewohnt gelassenen Art. Zum Glück haben wir das Seil nicht benötigt, aber es waren richtig harte 40 km über sehr steile Straßen mit rutschigen Steinen und Matsch. Diese Straße gilt als absolut unbefahrbar nach einem Regen, wir hatten also viel Glück, dass die Straße halbwegs trocken war.

Das Ziel der Reise ist der so genannte Gecko Rücken. Wir konnten unseren Augen nicht trauen, der Gecko Rücken ist ein Gebirgsrücken, auf beiden Seiten ist ein mehrere hundert Meter hoher Abhang. Der Pfad wurde extrem schmal, stellenweise etwa 50 cm breit, man konnte also die Füße nicht mehr neben dem Motorrad absetzen ohne einen möglichen Absturz zu riskieren. Unser Tourguide stoppte kurz vor diesem Stück um sicherzugehen, dass sich jeder gut fühlt und bereit für das kommende Stück ist. Jeder konnte sich entscheiden ob er sich bereit fühlt oder nicht. Es gab auch die Alternative sich vom Tourguide helfen zu lassen, bzw. das Motorrad zur anderen Seite transportieren lassen. Wir waren alle sehr aufgeregt und konnten es gar nicht so richtig fassen. Ein Paar von uns haben sich über den Gecko Rücken helfen lassen.

Für uns alle war es ein unglaubliches Erlebnis und es war mit das verrückteste was ich jemals gemacht habe, aber das war die Erfahrung definitiv wert. Der Rest des Tags verläuft vergleichsweise unspektakulär. Wir fahren entlang des Schwarzen Flusses zu unserer Gastfamilie, welche dem Volk der Thai angehört. Die Gastfamilie befindet sich in einem abgelegenen Bergdorf, in einer fantastischen Landschaft. Unsere Gastfamilie baut Grüntee an und wir hatten die Chance einen frischen Grüntee zu genießen, fantastisch

Selbst planen oder eine geführte Tour?

Für mich persönlich war der Trip unfassbar schön und ich würde jederzeit wieder nach Vietnam reisen. Nachdem ich hier war muss ich sagen, dass ich insbesondere für einen Off-Road Trip jedem empfehlen würde eine geführte Tour zu buchen, anstatt zu versuchen sich selbst durchzuschlagen. Wir hatten im Verlaufe der Tour zwei Stürze, jeweils ein Rutscher auf befestigter Straße. In beiden Fällen war innerhalb kürzester Zeit Hilfe vor Ort. Einer ist ungeschickt gefallen und musste um sicher zu gehen, dass nichts schlimmeres passiert ist ins Krankenhaus zum Röntgen. Innerhalb kürzester Zeit war ein Transportfahrzeug zum Krankenhaus organisiert und das Motorrad wurde abgeschleppt. Ohne den Guide wären wir an dieser Stelle absolut aufgeschmissen gewesen.

Die schönsten Stellen der Reise lagen so abgelegen in den Bergen, dass es extrem schwierig ist dort auf eigene Faust hinzukommen, bzw. überhaupt von diesen Stellen zu erfahren. Teilweise hat unser Guide spezielle Genehmigungen organisiert damit wir ein Gebiet überhaupt durchqueren durften. Die Berge Nördlich von Hanoi sind abseits der Hauptrouten alles andere als touristisch erschlossen und wir haben auf dem ganzen Trip nahezu keine anderen Touristen getroffen, wenn man von den wenigen Teilen auf der Hauptstraße absieht auf der man einige Touristen, typischerweise auf einer alten 125er Minsk antrifft.

Gerade in den Bergen sprechen die Menschen gar kein Englisch, der Tourguide war unsere Verbindung zu den Menschen vor Ort. Wenn nicht ganz sicher war ob eine Straße befahrbar ist oder nicht, dann kannte der Tourguide meistens eine Person die dort in der Nähe wohnt und die Auskunft über den aktuellen Straßenzustand geben konnte. Wir haben viel über die Geschichte und Menschen von Vietnam gelernt. So richtig ist mir das erst nach der Tour aufgefallen, als ich mich mit anderen Reisenden unterhalten habe, die sich hauptsächlich entlang der typischen Touristenrouten bewegt haben, wie viel mehr ich von der Tour über Vietnam mitgenommen habe. Ich habe während der Tour ein Verständnis dafür erhalten wie die Menschen in Vietnam, insbesondere in den Bergen, leben.

Tourübersicht: kurv.gr/ebfcB
Bitte beachtet, anders als bei den anderen Reiseberichten hier im Blog, ist das nur eine ganz grobe Abbildung der tatsächlich gefahrenen Route. Die meisten Straßen auf denen wir unterwegs waren, sind nicht in OpenStreetMap verzeichnet und teilweise nicht ohne Ausnahmegenehmigung befahrbar.

Unsere Gruppe bei einer kurzen Pause

Nach der Tour

Nach der Tour bietet sich entspanntes Kontrastprogramm an um die müden Muskeln auszuruhen und um erneut Kraft zu tanken. Ich habe eine Bootsfahrt von der Insel Cat Ba aus gemacht. Von dort kann man in Richtung der bekannten Ha Long Bucht segeln. Von Cat Ba ist es aber längst nicht so überlaufen. Ich habe mich für einen Kurztrip mit einer Übernachtung auf einem kleinen Boot entschieden. Hier man kann so richtig abschalten, die Aussicht genießen und sich einfach mal treiben lassen. Mototours Asia hat mir eine Bootsfahrt auf einem kleinen traditionellen Boot organisiert. Das war der für mich perfekte Abschluss meiner Vietnam Reise.

Bootsfahrt von Cat Ba in Richtung Ha Long Bucht

Ein Kommentar

Kommentare sind geschlossen.