Die Suche nach dem besten Motorrad-Anhänger bis 750 kg

Veröffentlicht von

Ich bin gerade auf der Suche nach einem Motorrad-Anhänger und habe nach kurzer Suche festgestellt, dass es eine Unmenge an verschiedenen Modellen gibt, alle mit eigenen Vor- und Nachteilen. Mit diesem Beitrag versuche ich mir etwas Überblick über den Markt zu verschaffen und den für mich besten Motorrad-Anhänger zu finden. 

Warum eigentlich ein Anhänger? Als Gründer der Motorrad-Routenplanungs-Platform Kurviger.de habe ich bisher meine Urlaubsanfahrten als schöne Motorrad-Route geplant. Getreu dem Motto, der Weg ist das Ziel. Dadurch dauert die Anfahrt zwar etwas länger, aber man hat durchgehend ein tolles Erlebnis. Wenn man etwas schneller vorankommen möchte, kann man auch noch auf den Modus „Schnell&Kurvig“ umschalten. Damit werden immer mal wieder Kurven bevorzugt, eine Großteil der Strecke führt dann meist über Bundesstraßen bzw. Autobahnen. Außerdem lernt man so gleich noch die Gebiete auf dem Weg kenne, wie z.B. die vielen deutschen Mittelgebirge, die meiner Meinung nach von vielen als Motorradgebiet unterschätzt werden. 

Gründe für einen Anhänger

Für mich gibt es drei Gründe warum für mich trotzdem ein Motorrad-Anhänger sinnvoll ist. Ich möchte in den nächsten Jahren gern etwas weiter entfernte Ziele anfahren. Ich würde gern mehr Offroad fahren und gern einen Urlaub mit der Familie verbringen in dem man immer mal einen Tag mit dem Motorrad unterwegs ist. 

Gerade für weiter entfernte Ziele eignet sich ein Anhänger ideal, wenn man zeitlich eingeschränkt ist. Eines meiner Traumziele für die nächsten Jahre sind die Pyrenäen. Die Anfahrt lässt sich aus Deutschland an einem sehr langen Fahrtag meistern. Über schöne kurvige Straßen dauert die Anfahrt wohl eher eine Woche.

Besonders relevant ist der Anhänger aus meiner Sicht für das Thema Offroad. Mit einer kleinen Enduro oder Trial mit Stollenreifen lassen sich größere Entfernungen wie z.B. nach Tschechien oder Rumänien (Enduromania) nur mit einem Anhänger sinnvoll überwinden.

Mit dem Anhänger transportiert sich eine Enduro angenehmer in den Urlaub

Eigentlich war ich nie auf der Suche nach einem Motorrad-Anhänger. Eigentlich habe ich auch keinen Platz für einen Hänger und bisher hatte ich auch kein Auto mit Anhängerkupplung. Mittlerweile habe ich ein passendes Auto. Einen Anhänger mieten ist mir nicht flexibel genug. Auf der Motorradwelt-Bodensee bin ich über den Stand von EiLER geschlendert und habe dabei den COCHET UNO gesehen. Das Konzept fand ich so genial, dass bei mir langsam aber sicher der Plan gereift ist, mir einen Motorrad-Anhänger zu kaufen. Nachfolgend möchte ich euch meine bisherige Recherche und Pro und Contra Abwägungen beschreiben – nur Vorweg, die eierlegende Wollmilchsau habe ich leider noch nicht gefunden.

Meine Kriterien für einen Motorrad-Anhänger

Meine Anforderungen an den Anhänger sind:

  • 750 kg Gesamtgewicht
  • Zulassung für 100 km/h (100er-Zulassung)
  • Motorrad be- und entladen muss entspannt allein möglich sein (damit sind insbesondere steile Auffahrschienen raus)
  • (Bonus) Flexibel für ein oder zwei Motorräder geeignet
  • (Bonus) Plane oder Koffer damit das Motorrad nicht nass wird und für einen gewissen Diebstahlschutz
  • (Bonus) Platz für weiteres Equipment, wie z.B. Fahrrad, Werkzeug, Klappstuhl, etc.

Wieso denn eigentlich die Beschränkung auf 750 kg? Zum Einen habe ich ein Fahrzeug mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und keinen Anhänger-Führerschein. Mit dieser Konstellation bin ich an der Grenze des erlaubten Anhänger-Gewichts. Zum Anderen brauche ich aber auch keinen größeren Anhänger. Ich will primär ein bis zwei Motorräder transportieren, das geht in dieser Gewichtsklasse. Ein größerer Anhänger ist nur unnötig im Weg. Noch ein Hinweis, viele Anhänger haben oftmals ein zulässiges Gesamtgewicht von über 750 kg. Diese lassen sich aber meistens problemlos Ablasten, dafür ist keine technische Änderung notwendig und der TÜV macht das normalerweise problemlos.

COCHET UNO (DUO)

Wie bereits erwähnt, den COCHET UNO fand ich genial. Der Anhänger lässt sich einfach ablassen und allein be- und entladen. Man kann ihn einfach zusammenklappen und hochkant an die Wand stellen, so hätte ich in der Garage noch ein Platz für den Anhänger gefunden. Die Verarbeitungsqualität hat mir auf der Messe sehr gut gefallen. Ich behaupte mal, an dem Anhänger hat man lange Spaß.

Was mir nicht so gut gefällt ist, dass man auf ein Motorrad beschränkt ist. Dieses Problem lässt sich mit dem COCHET DUO lösen. Dieser hat Platz für zwei Motorräder und kostet aktuell ca. 3600€.

Der große Vorteil des COCHET ist der geringe Platzverbrauch. Daraus ergibt sich aber auch direkt der größte Nachteil, es gibt kaum Platz für weiteres Zubehör, es gibt keine Plane oder ähnliches zum Schutz des Motorrads. Es gibt aber einen Fahrradhalter, so kann man zusätzlich noch ein Fahrrad transportieren. Wer also keinen zusätzlichen Platz auf dem Anhänger benötigt macht mit dem COCHET sicher keinen Fehler.

Die wichtigsten Daten zum COCHET UNO:

  • Gesamtgewicht: 600 kg
  • Leergewicht: 140 kg (Anmerkung: Cochet gibt 140 kg an, ein Leser hat uns kontaktiert, dieser hat den Anhänger gewogen und er hat wohl ein Leergewicht von 167 kg)
  • Ladefläche: 200 cm x 100 cm
  • Preis: ab ca. 2600€
  • Zusammenklappbar und senkrecht lagerbar

Airtrailer Mono Plus (Duo)

Wer COCHET sagt muss auch Airtrailer sagen. Nachdem ich ich den COCHET auf der Messe gesehen habe, habe ich mich natürlich etwas ausgiebiger mit dem Thema befasst und bin dann recht schnell auf den Airtrailer gestoßen. Das Konzept ist sehr ähnlich zum COCHET und es gibt sowohl eine Variante für ein Motorrad und eine Variante für zwei Motorräder. Preislich liegt der Airtrailer ähnlich wie der COCHET, Mono Plus für aktuell 3000€ und Duo für aktuell 3800€.

Der für mich wichtigste Unterschied von Airtrailer und COCHET aus meiner Sicht, dass der Airtrailer für das Parken an der Wand eine Höhe von 2,23 m in der Garage benötigt, der COCHET benötigt deutlich weniger. Der Airtrailer bietet zudem ein Luftfederfahrwerk bei dem sich der Druck an die Beladung anpassen lässt. Ein Luftfederfahrwerk federt üblicherweise sanfter als eine traditionelle Federung.

Die wichtigsten Daten zum Airtrailer Mono Plus:

  • Gesamtgewicht: 600 kg
  • Leergewicht: 150 kg
  • Ladefläche: 205 cm x 100 cm
  • Preis: ab ca. 3000€
  • Senkrecht lagerbar, benötigt eine Höhe von 2,23 m
  • Luftfederfahrwerk

Eiler Treiler

Wie Anfangs erwähnt habe ich auf dem Messestand der Firma Eiler den Cochet UNO kennengelernt. Das war im Jahre 2020, mittlerweile haben wir 2021 und die Firma Eiler hat einen eigens entwickelten Anhänger im Angebot, den Eiler Trailer. Den Eiler Treiler gibt es sowohl in einer 750 kg Variante als auch in einer 1000 kg Variante. Die 1000 kg Variante eignet sich von der Größe eher für 2 Motorräder, während die 750 kg Variante eher für 1 Motorrad geeignet ist. Zusätzlich gibt es den Treiler auch noch in einer ungebremsten 500 kg Variante, diese ist nochmal deutlich günstiger und liegt preislich auf dem Niveau des Cochet Uno.

Konzeptionell ist der Treiler sehr ähnlich zum Cochet, klappbar, absenkbar und aufrecht lagerbar. Die Besonderheit beim Treiler ist, dass es diesen in einer gebremsten Variante gibt. Gebremste Anhänger haben üblicherweise ein besseres Fahrverhalten und der Anhänger “schiebt” nicht beim Bremsen. Das kann bei Fahrzeugen mit schwacher Bremsanlage oder bei längerem Gefälle von Vorteil sein kann. Der Eiler Treiler ist übrigens Made in Germany, dafür liegt dieser aber auch Preislich bei 3400 €.

  • Gesamtgewicht: 750 kg
  • Leergewicht: 170 kg
  • Ladefläche: 214 cm x 111 cm
  • Preis: ab ca. 3400€
  • Gebremst

Vezeko MOTOVAN

Mein nächster interessanter Fund ist der Vezeko MOTOVAN. Diesen findet man schon ab ca. 1200€ für ein Motorrad und ab ca. 2100€ für zwei Motorräder, dann auch zusätzlich gebremst.

Was mir beim MOTOVAN gut gefällt ist, dass die Technik super simpel ist. Es ist eigentlich nix groß dran, es kann also auch nix groß kaputt gehen. Komplett Feuerverzinkt, da sollte auch nichts rosten. Der Anhänger ist nicht absenkbar, hat aber eine sehr breite und flache Rampe, da kann man sein Motorrad allein problemlos be-/entladen. Die Achse ist von AlKo, das klingt erstmal gar nicht schlecht.

Der Hersteller Vezeko hat mir erstmal nichts gesagt, Erfahrungsberichte zu diversen Vezeko Anhängern aus diversen Motorrad-Foren klingen aber erstmal recht positiv.

Die wichtigsten Daten zum Vezeko MOTOVAN:

  • Gesamtgewicht: 750 kg
  • Leergewicht: 200 kg
  • Ladefläche: 245 cm x 106 cm
  • Preis: ca. 1200€
  • Einfache Technik

Vezeko Husky

Nach dem Vezeko MOTOVAN bin ich auf den Vezeko Husky gestoßen. Das ist ein Absenkanhänger (Tieflader) mit normaler Ladefläche. Im Gegensatz zu den anderen hier angesprochenen Modellen, ist das keine besondere Bauform, ähnliche Anhänger gibt es von vielen anderen Herstellern wie z.B. Humbaur, Unsinn oder Stema. Für den Vezeko Husky habe ich ein ins Budget passendes Angebot mit Plane für ca. 2200€ gefunden.

Der große Vorteil dieser Bauform ist, dass es von vielen Herstellern verschiedene Optionen gibt, wie Planen, Seitenwände und verschieden große Ladeflächen. Zusätzlich lassen sich dies Anhänger auch relativ einfach für weitere Einsatzzwecke verwenden, sei es die Gartenarbeit oder der Umzug.

Der Nachteil dieser Bauform ist der deutlich höhere Platzverbrauch, da man den Anhänger nicht mal so einfach an die Wand stellen kann. Wenn man noch eine Plane oder sogar einen Koffer dazu nimmt, dann steigt das Gewicht des Anhängers nochmal deutlich. So kann es sein, dass man mit 750 kg zulässigem Gesamtgewicht nur noch ein Motorrad transportieren kann.

Dadurch, dass es die Hänger in verschiedenen Größen gibt, könnte man auch auf einen mit mehr als 750kg Gesamtgewicht gehen. Hier sollte man sich dann aber genauer über die Führerscheinregelungen informieren. Je nach Zugfahrzeug und Führerschein kann es sein, dass das nicht so einfach möglich ist, oder man keine 100er Zulassung bekommen. Das muss jeder für sich entscheiden, ich bin aktuell an die 750 kg gebunden. In meinem Fall könnte ich also kein weiteres Motorrad mitnehmen, auch Platz für zusätzliches Equipment hätte ich kaum.

Die wichtigsten Daten zum Vezeko Husky:

  • Gesamtgewicht: 750 kg
  • Leergewicht: 300 kg
  • Ladefläche: 240 cm x 126 cm
  • Preis ab ca. 2200€
  • Mit Plane
  • Aufgrund der Breite nur für ein Motorrad oder zwei kleine Motorräder
  • Relative hohes Leergewicht, vermutlich auf Grund der V-Deichsel sowie der Hydraulik zum Ablassen

Unsinn AS

Der Unsinn AS ist sehr ähnlich zum Vezeko Husky, der größte Unterschied ist, dass der Anhänger von AS keine Hydraulik zum Ablassen hat sondern über ein Hebelsystem. Anstatt einer V-Deichsel kommt eine Rohrdeichsel zum Einsatz, diese ist normalerweise etwas leichter, bietet aber meist etwas weniger Stabilität, ob man das beim geringen Gewicht von 750 kg merkt ist fraglich. Dafür ist der Unsinn leichter und breiter und sollte sich daher für zwei Motorräder eignen. Ansonsten gibts auch die Möglichkeit eine Plane anzubringen um das Motorrad zu schützen.

Die wichtigsten Daten zum Unsinn AS:

  • Gesamtgewicht: 750 kg
  • Leergewicht: 230 kg
  • Ladefläche: 260 cm x 155 cm
  • Preis ab ca. 2300€
  • Mit Plane
  • Aufgrund der Breite und niedrigen Gewichts sollte sich der Anhänger für zwei Motorräder eignen
  • Eventuell geringere Stabilität auf Grund der Rohrdeichsel
  • Mechanisches Hebelsystem, eventuell unkomfortabel (ich habe es noch nicht live probiert), aber vermutlich unanfällig da rein mechanisch, keine Hydraulik

Fazit

Bisher konnte ich noch nicht den perfekten Anhänger für mich finden. Ich tendiere leicht zum Unsinn AS oder einer ähnlichen Bauform, da mir die Option zur Plane sehr gut gefällt. Eventuell findet sich auf der Plane auch noch etwas Platz für einen Kurviger-Schriftzug, das würde mir ganz gut gefallen. Die Option einen Anhänger auch mal als Packesel für den ein oder anderen Transport zu verwenden finde ich ganz schön, dann braucht man nicht noch einen extra Anhänger. Auf der anderen Seite würde mir der MOTOVAN eigentlich ausreichen und wäre deutlich günstiger. Für beide Varianten bräuchte ich aber erstmal einen Stellplatz oder muss den Anhänger regelmäßig bewegen. Der COCHET oder Treiler würde bei mir noch in die Garage passen. Das ist echt eine schwierige Entscheidung. Durch die Einschränkung auf 750 kg, kommen größere Anhänger für mich leider nicht in Frage.

Ich hoffe ich konnte euch mit meinen Abwägungen etwas weiterhelfen und eventuell auch die ein oder andere Idee geben. 

Noch ein Hinweis am Rande: die Angaben habe ich nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, diese sind aber natürlich ohne Gewähr.